PG Mainschleife

Dieser Satz stammt aus dem Abschnitt über den Sabbat des Matthäusevangeliums. Die Jünger Jesu hatten Hunger, rissen in einem Kornfeld die Ähren ab, aßen und wurden von den Pharisäern wegen des Übertritts des Sabbatgebotes angegriffen. Jesu Antwort gipfelt in dem Satz „Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer, dann hättet ihr nicht Unschuldige verurteilt; denn der Menschensohn ist Herr über den Sabbat“ (Mt 12,7f).

Der Menschensohn fordert,

barmherziges Handeln nicht gegen das Sabbatgebot auszuspielen. Wer so denkt, hat eine falsches Verständnis der religiösen Norm. Wer das Sabbatgebot richtig auffasst, der erkennt, dass es hier um mehr als das bloße Einhalten einer Vorschrift geht. Barmherzigkeit ist die das Gebot ergänzende Haltung. Für die Christen, die sich in den ersten Jahrhunderten in de Nachfolge Jesu stellten, ergab sich daraus die Selbstverständlichkeit, dass sozial-caritatives Handeln „Gottesdienst“ ist. Die Liturgie setzt sich nach dieser Auffassung in dem von Nächstenliebe geprägte mitmenschliche Handeln an den Armen und Schwachen der Gesellschaft tagtäglich fort.

In der Corona-Pandemie entfällt durch Verordnung des Bischofs von Würzburg für die Gläubigen der Diözese die Sonntagspflicht. Liturgische feiern finden nur noch in Form von Livestreams im Internet statt. Doch kommt auch der Gottesdienst zum Erliegen? Wer so denkt, ist nicht weit von der Auffassung der Pharisäer aus dem Evangelium entfernt.

Diese Zeit bietet vielmehr die Chance auch den sozialen Aspekt wieder neu in den Fokus zu nehmen. Wer Rücksicht nimmt auf die Schwachen, sie vor Ansteckung schützt, Bedürftige bei den Einkäufen hilft u.v.m. der leistet einen wertvollen „Gottesdienst“!

Hendrik Weingärtner

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