PG Mainschleife

In den letzten Jahren hat die Zahl der vornehmlich jungen Menschen, die sich tätowieren lassen, stark zugenommen. Bei vielen Menschen geht es dabei nicht einfach nur um eine Maßnahme, ihren ungeliebten Körper zu modifizieren und somit zu verschönern oder einem Trend nachzujagen. Im Gegenteil: Viele Tattoos haben eine konkrete Verbindung zu Erinnerungen an geliebte Menschen, zu bedeutungsvollen Ereignissen oder zu wichtigen Bestandteilen des eignen Lebens, die im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut gehen.

So werden diese zu ständigen Begleitern des eigenen Lebens. Wenn wir in den vor uns liegenden drei österlichen Tagen an das Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu erinnern, dann rufen wir uns dies ins Gedächtnis, weil wir davon überzeugt sind, dass dies eine Bedeutung für unser heutiges Leben hat. Uns betrifft das, was beim Abendmahl, im Garten Gethsemane, vor dem Hohen Rat und Pilatus sowie am Kreuz und im Grab geschehen ist, es geht uns unter die Haut. Es ist mehr als das bloße Betroffen-sein angesichts der historischen Ereignisse. Wir sind davon überzeugt, dass im Leiden Jesu all unser Leid sich wiederspiegeln kann, dass wir all unsere Sorgen und Nöte im Leidenden und Gekreuzigten wiederfinden und diese ihm anvertrauen dürfen. So darf uns das, was in Jerusalem geschehen ist, zum ständigen Begleiter werden – ob als Tattoo oder als Gewissheit, dass Gott sich unsrer annehmen wird. In der Erinnerung und der Vergegenwärtigung von Gottes Handeln keimt nämlich die österliche Hoffnung auf Erlösung bereits auf.

 

Hendrik Weingärtner

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