PG Mainschleife

Morgen Kinder wird’s was geben

„Morgen, Kinder, wird's was geben, Morgen werden wir uns freun! Welch ein Jubel, welch ein Leben wird in unserm Hause sein. Einmal werden wir noch wach, Heißa dann ist Weihnachtstag!“

Wir kennen es gut aus unseren Kindertagen, dieses schöne Kinderlied für den 23. Dezember, den Tag vor der großen Bescherung, den Tag vor dem Weihnachtsfest. Da ist dann noch die Rede von der großen Lichterzahl, dem geputzten Kronsaal, vom Räderpferdchen, um die vielen Freunde und um die Eltern. Diese sollten geehrt werden. Also nicht nur um schöne Geschenke, sondern auch um die lieben Eltern soll es gehen.“ O gewiss, wer sie nicht ehrt, Ist der ganzen Lust nicht wert!“. 1770 wurde das Lied gedichtet und wurde im Wesentlichen so bis heute überliefert.

Wie würde das Kinderlied jetzt heute am 23. Dezember 2020 klingen?

Über die Geschenke können wir sicher gut singen. Diese sind auch dieses Jahr möglich, wenn auch in eingeschränktem Kreis. Die lieben Großeltern oder der Lieblingsonkel werden aber vielleicht nicht dabei sein. Also dürfte hier der Gesang schon stocken. Die Freunde kommen da dank moderner Technik etwas besser weg.   

Und bei denen, die einen Trauerfall zu beklagen haben, die sich aus Angst vor der einer Erkrankung in eine selbst gewählte Einsamkeit begeben haben? Oder die, die bereits erkrankt sind und Angst um ihr Leben haben?  Da wird es schon problematischer. Die sind ganzen normalen Geschenke „der ganzen Lust nicht wert“ Dieser Satz des Textdichters Philipp von Bartsch macht uns dieses Jahr besonders aufmerksam. Deshalb gibt es nicht nur von den Kirchen, auch von Vereinen und privat in der Zeit des Lockdown sehr viele Initiativen für Menschlichkeit, wenn auch mit Maske und Abstand.

Viel wichtiger ist das Gespräch mit jemand, den Sie gut kennen; eine Nachbarin, gute Bekannte, einen Arbeitskollegen, der einen Zuspruch gut brauchen kann. Notfalls ein Weihnachtslied miteinander singen.

Vielleicht haben Sie Interesse, morgen Heilig Abend um 18 Uhr vor die Tür gehen und lauthals „Stille Nacht“ singen mit vielen anderen Menschen in ganz Deutschland zur gleichen Zeit, ein tolles Zeichen von Gemeinschaft und Solidarität. Dann kommt Leben in Ihr Haus und das von vielen anderen Menschen, dann ist Weihnachten. „Morgen Kinder wird’s was geben“.

Josef Gerspitzer, Pastoraler Mitarbeiter 

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