PG Mainschleife

Mit der ersten Tür klingelt schon der Wecker

Liebe Mitmenschen auf der Suche nach Weihnachten,

„Wachet auf, ruft uns die Stimme, der Wächter sehr hoch auf der Zinne, wach auf du Stadt Jerusalem“. Das singen wir heute in vielen Kirchen. Es ist die erste Woche im Advent und es ist Coronazeit. So dürfen wir fast gar nichts singen, uns nicht zusammensetzen und das Zusammenstehen bei Glühwein und Plätzchen fällt dieses Jahr aus. Wir haben die erste Tür zum Weihnachtsfest geöffnet und stellen fest, dass fast noch nichts gemacht ist. Der Wecker klingelt: Im heutigen Evangelium lässt Jesus den Wecker mit der Mahnung zur Wachsamkeit laut klingeln.    

In 21 Tagen ist Weihnachten und in 17 Tagen in Volkach die Weihe der neuen Orgel. Wie soll das gehen?  Trotz der Erklärungen und den klar formulierten Richtlinien aus der Politik wissen wir in diesem Jahr gar nicht, wie wir Weihnachten feiern  bzw. darauf vorbereiten sollen

Was erwarten wir denn, wer oder was da kommen soll? Sind wir offen für eine ganz neue Erfahrung von Advent und Weihnachten?

Viele von uns haben sich ein Stück weit mit der Corona-Krise arrangiert, das mit den Masken und Abstand gehört schon zum täglichen Leben. Außer den sogenannten Querdenkern belastet das immer weniger Mitmenschen, außer wenn jemand in der Familie oder im engsten Freundeskreis betroffen ist.

Ab und zu kommt jemand, der uns erzählt, dass die Corona Pandemie ein Zeichen Gottes sei oder vielleicht sogar eine Strafe. Und wir müssten umkehren und an Gott glauben, unsere Sünden bereuen und ein neues besseres Leben führen, damit das wieder weg geht.

Einige denken laut nach, welche positiven Folgen die Pandemie nach der Pandemie haben könnte, von den Arbeitsmöglichkeiten mit Home Office  bis zur tatsächlichen Wertschätzung der Pflegeberufe bis zu einem einfacheren Lebensstil.

Einige denken schon, was sie machen, wenn demnächst der Impfstoff da ist und das Virus uns nichts mehr anhaben kann, wenn wir gewonnen haben und das Leben wieder in vollen Zügen genießen können auf wessen Kosten auch immer.

So möchte ich gerade in dieser Adventszeit der Pandemie besonders aufmerksam sein für mich, meinen Körper und meine Seele, meine Umwelt und meine Mitmenschen bewusster und positiv wahrnehmen, damit ich dann reich beschenkt Weihnachten feiern kann.

Vielleicht möchte der eine oder andere von Ihnen auch mitmachen bei dieser Übung von Wachsamkeit. Vielleicht können wir alle so die Menschwerdung Gottes erleben.  Vielleicht können wir so nicht nur die Corona-Pandemie besiegen, sondern auch die Pandemie der Ich - Bezogenheit in der Sorge, dass es in erster Linie mir und meiner Familie gut gehen sollte.

Josef Gerspitzer, Pastoraler Mitarbeiter

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