PG Mainschleife

Es ist Advent. In der Grundschule sprechen wir über den Adventskranz und die Vorbereitungszeit auf Weihnachten. Es braucht ganz grundlegende Informationen. Irgendjemand ruft etwas vom Weihnachtsmann dazwischen und ich sage ganz leichthin: „Ah, der Weihnachtsmann, den gibt es nicht.“ Keine große Verwunderung, keine Nachfragen, und unser Thema ist ja auch ein anderes, also gibt es keine weiteren Aussagen dazu.

Am Beginn der neuen Woche erhalte ich über die Schulleitung ein Mail (über Handy erstellt) eines empörten Vaters:

Sein Kind sei ganz aufgelöst gewesen über diese rücksichtslos verbreitete Neuigkeit, hätte stundenlang geweint und nicht schlafen können. Jedes Kind glaube an die Zahnfee und die Wunder der Märchen und versuche gehorsam zu sein, um schöne Geschenke zu bekommen. Auch von Pädagogik ist die Rede.

Ja stimmt, denke ich, der Nikolaus ist schon oft für schwarze Pädagogik missbraucht worden.

In einer anderen 1. Klasse versuchen wir wieder Nikolaus und Weihnachtsmann zu unterscheiden. Da ist der Nikolaus als historische Gestalt, Bischof und Heiliger, der den Menschen Gutes getan hat und seinen Festtag am 6. Dezember, und damit im Advent hat. Auf der anderen Seite der Weihnachtsmann, der an Weihnachten die Geschenke bringt, nur eben nicht in unserer Tradition. Da ist es ja eigentlich das Christkind, also das Kind in der Krippe, dessen Geburt wir an Weihnachten feiern.

Zugegebenermaßen ist die Sache komplex, aber wir schaffen das schon.

Am Ende sagt ein ganz Schlauer: „Ich glaub ja, die Zahnfee (nein wir hatten sie vorher noch nicht erwähnt) und das Christkind, das ist das Gleiche!“

Zuhause angekommen legt mir mein Mann einen Leserbrief eines Herrn mit Doktortitel aus dem tiefen Süden der Republik hin, der an diesem Tag in der FAZ abgedruckt ist. Der Inhalt, leicht gekürzt:

Die frohe Botschaft lautet: Die deutschen Ministerpräsidenten ermöglichen das „familiär und gesellschaftlich so wichtige Fest“ mit Familienkreis, Glühwein und Gansbraten. Doch wie ist das Fest entstanden? War es der Einzelhandel? Die Winzer? Die Forstwirtschaft? Die Christstollenbäcker?

Der Schreiber offenbart seine Erkenntnis, zu der er nach ausgiebigem Nachforschen gekommen ist:

Wir feiern Weihnachten im Gedenken an den Weihnachtsmann, der hoch oben im Norden wohnt und uns dank des rotnasigen Rentiers Rudolph alle Jahre wieder Geschenke bringt.

Auf meiner Tischdecke ist eine große Pfütze aus Sarkasmus entstanden.

Wer bringt uns Licht in dieses Dunkel?

Wer weiß denn nun wirklich noch um den Sinn von Weihnachten?

Mit betroffenem Hoffen

Gaby Wagenhäuser

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