PG Mainschleife

Den klugen Professoren des alten Orients leuchtet heller als jeder Stern eine uralte Botschaft. Die Sehnsucht treibt sie schließlich nach Bethlehem.

Heute könnte diese Geschichte neu erzählt so klingen:

Als zur Zeit des amerikanischen Präsidenten Trump, des russischen Präsidenten Putin, des deutschen Bundespräsidenten Steinmeier Jesus längst geboren war, über 2000 Jahre lang, da hörte ein beträchtlicher Teil der Menschheit auf allerlei Sterndeuter und fragte nicht viel nach Bethlehem. Die Menschen fragten auch nicht nach dem neugeborenen König der Juden. Sein Stern war sowieso schon ziemlich verblasst und untergegangen.

Dafür verehrten sie andere Sterne, nicht so lupenrein wie der Stern von Bethlehem. Dafür waren sie sehr viel anziehender: Diese Sterne waren den Menschen zum Greifen nahe und nicht mehr so anstrengend wie der Stern von Bethlehem. In einer selbstgenügsamen Welt wurde nicht mehr viel gefragt oder über den Sinn des Lebens geforscht, wie bei den Weisen von Bethlehem. Die Sterne der Menschen hießen Wohlstand, Lebensqualität, Bequemlichkeit, Rausch, Selbstbetäubung, Genusssucht, Selbstbetrug, Bauch. Was wird geschehen, wenn eines Tages diese Lichter ausgehen, das Kaltlicht reiner Innerweltlichkeit oder das Irrlicht falscher Lebensausrichtung?

Uns allen zum Trost leben auch heute noch Weise unter den Menschen, die - wie damals - einer Übermacht von Unverstand, Argwohn und Bösartigkeit gegenüberstehen. Diese Weisen lassen sich von der Botschaft vom neugeborenen König nach wie vor bewegen. Sie suchen Ihn. Für sie ist dieser Gottessohn Jesus Christus, dem sie glauben, wenn er sagt: „Ich bin das Licht der Welt.“ Sie behalten Ihre Wegrichtung nach Bethlehem bei, obwohl der Glanz dieser Welt sie manchmal blendet. Die Sonne, die am ersten Weihnachten in Bethlehem aufgegangen ist, zieht sie an. Dieser Sonne ziehen sie entgegen, obwohl die meisten Menschen meinen: „Diese Sonne macht nicht mehr viel her.“

So ziehen sie los und haben Fragen in dieser Welt, an die Kirche, an uns: Wo ist dieses gute, helle Licht zu finden, Licht das erhellt und wärmt. Licht, das nicht nur ein kurzer Funkenregen ist, Licht, das nicht auszulöschen ist? Die Weisen spüren: Je mehr sie fragen und suchen, umso heller wird es in ihnen selbst. Sie spüren, dass auch um sie herum das Leben hell und freundlich erscheint.

Jeder von uns darf sich anregen lassen, selbst in seinem Leben nach Sinn und Licht zu fragen und sich nicht mit billigen Antworten abspeisen zu lassen. Das Kind in der Krippe, dieser Glücksstern für die Menschen, ermutigt die Gläubigen zum Leben, auch wenn sie nicht auf alle Fragen ihres Lebens eine Antwort erhalten. Der Mensch braucht nur seine Lebensantennen in Richtung Bethlehem zu stellen.

Johannes Hofmann, Pfr.

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