PG Mainschleife

Der Walnussbaum im Garten ist noch kahl. An einem Ast hat er eine Wunde und aus dieser tropft unablässig. So viel Lebenssaft in diesem Baum! Wird er zu sehr leiden an dieser Wunde? Die Knospen werden jeden Tag praller. Die Blütenstände zeigen sich. Der Baum lebt. Nebenan schimmern die Blüten des Flieders und zeigen schon die Farbe, in der die duftende Pracht bald leuchten wird.

Das Leid dieser Tage – unerträglich wird die Not in vielen Ländern der Erde: in Italien, wo sich die Menschen nicht von ihren Verstorbenen verabschieden können. In den Slums der Großstädte in Südamerika, wo von Quarantäne keine Rede sein kann. Wir sollten nicht klagen über Einschränkungen!

Der Karfreitag zeigt in aller Konsequenz, dass einer mit uns und für uns ist. Jesus trägt unser Leid. Das Schwere, die Not müssen erst durchstanden werden. Doch wissen wir, dass im Karfreitag das Osterlicht schon durchscheint.

Die Wunden bleiben, aber sie heilen und verwandeln uns. Wie der Walnussbaum im Garten werde ich an den Wunden nicht zugrunde gehen.

ER hilft mit, dass aus Klage ein Lied wird. ER ist mit uns.

Ecce Homo

Weniger als die Hoffnung auf ihn

das ist der Mensch

einarmig

immer

Nur der Gekreuzigte

beide Arme

weit offen

der Hier-Bin-Ich           

                               Hilde Domin

 

Gaby Wagenhäuser

­