PG Mainschleife

Sie saßen alle am großen Esszimmertisch. Katrin, Mama, Papa, ihr großer Bruder und die alte Tante Martha. Katrin stocherte mit der Gabel in dem Fisch auf ihrem Teller herum.

„Fisch igitt“ knurrte der Bruder. Katrin sagte lieber nichts. Tante Martha sah streng, ja vorwurfsvoll auf die große Fischplatte. Mutter bekam rote Wagen und reichte der Tante schnell die Sauce. Vater lachte. Das fand Katrin vielleicht komisch! Aber heute wagte sie nicht

nachzufragen, worüber Papa immer wieder lachen musste. seine Augen blitzten, und er blinzelte Katrin schelmisch zu. Da sah sie lieber ganz schnell weg und zwang sich, einen Bissen zu essen. Mama sagte erstaunt: „Schmeckt es dir auch nicht, Kati? Du isst doch sonst so gerne Fisch.“ Katrin blieb fast der Bissen im Halse stecken.

„Doch“, murmelte sie, und ihr wurde dabei von den Zehenspitzen bis zum schwarzen Pferdeschwanz heiß - sehr heiß! Die Mutter schüttelte den Kopf, und Tante Martha sah weiter streng auf die Fischplatte.

„Diese Gräten!“ schimpfte der Bruder, und Vater lachte schon wieder, Katrin hatte ein Gefühl, als ob sie - aber nein, sie musste den Teller leeressen. Mama bemerkte auch nichts und erzählte irgend etwas. Doch dann sagte sie laut - sehr laut, so empfand Katrin es: „Seltsam! Großmutter hat gar nicht geschrieben. Sonst schickt sie ihre Pakete doch immer so zeitig ab...“ Katrin erschien es, als schauten sie alle an. Oh, wie schuldbeladen, wie elend sie sich fühlte, und wie der Magen drückte! Mutters Bemerkung lag wie ein Echo über dem Raum: „Paket…!“ Da warf ihr Bruder die Gabel auf den Teller, dass es nur so klirrte: „Karfreitag. Ostereier wär‘n mir echt lieber!“ murrte er, und Katrin sackte stumm und klein in sich zusammen.

Papa fing sie auf und trug sie hinauf ins Kinderzimmer. Mama kam aufgeregt hinterhergelaufen. Aber Katrin war alles egal. Am liebsten hätte sie niemals wieder die Augen geöffnet und wäre nur still auf ihrem Bett liegengeblieben - für immer! Oder doch wenigstens bis Ostern, dann würde ja doch alles ans Licht kommen. Die ganze schreckliche Wahrheit! Das mit dem Osterpaket von Großmutter. *

Der Karfreitag schien endlos lang. Aber Katrin sagte nichts, lieber sollten die Eltern glauben, sie sei krank! Gegen Abend dachte sie sogar: „Ich bin das nicht gewesen. Ich habe es nicht geöffnet, ich habe nichts gegessen, ich habe den Rest nicht versteckt! Das Paket von Großmutter - Lieber Gott, lass es morgen kommen!“ **

Tante Martha wollte über Ostern bleiben, und Katrin hörte sie nebenan sprechen. Dann kam sie in Katrins Zimmer. „Kati“?. fragte ihre alte Stimme. Wie freundlich sie Katrin ansah, und Katrin fühlte sich wieder ganz elend. „Geht ´s besser?“ fragte die Tante. Sie setzte sich. „Oh“ sagte sie und lächelte von weither, ich kann mich erinnern, als kleines Mädchen hörte ich gerne Geschichten. Soll ich dir eine wahre Karfreitags-Geschichte aus meiner und deiner Großmutter Kindheit erzählen?“ Katrin sah sie nur mit großen Augen an, und Tante Martha erzählte eine lange Geschichte. Am Ende sagte sie: „... Ich kann dir sagen, Kati, unserem Bruder war schlecht!“ Sie lächelte und fuhr fort: „Den ganzen Karfreitag lag er zu Bett, jammerte und alle dachten, es wäre der Fisch gewesen… Aber wer kann auch so viele Ostereier auf einmal vertragen? Sag selbst! Aber unsere Mutter hat gar nicht geschimpft, als sie es dann am Samstag entdeckte. Er war ja gar nicht krank, er hatte nur den Vorrat an Ostereiern verspeist, heimlich, meine ich. Wirklich, Mutter hat nicht geschimpft ...“

„Nein?“ flüsterte Katrin.

„Nein“, sagte sie nur.

„Warum nicht, eh …, wenn er doch gestohlen hat?“ forschte Katrin, und ein Hoffnungslicht flackerte auf. Aber Tante Martha war schon aus dem Zimmer gegangen. ***

Am nächsten Tag, dem Karsamstag, hörte Katrin ein großes Gepolter auf der Diele und die Haustür schlug zu. Tante Martha schleppte ein großes Osterpaket und rief:

„Das Paket!“ Dabei lachte sie immerzu, und Mutter schüttelte immer wieder den Kopf.

Heike Hagenmaier 

 

Liebe Kinder! 

Diese Geschichte bietet zahlreiche Impulse für Diskussionen und weiterführende Gespräche.

Die alte Tante Martha durchschaut Katrin und gibt ihr das auch anhand der von ihr erzählten Geschichte zu verstehen. Sie baut Katrin Brücken, die zu einer Aussprache (Beichte) führen könnten. 

Bei den Sternchen 1,2,3 könnt ihr die Geschichte jeweils beenden und eure eigene Geschichte weiter erzählen. 

Ihr könnt auch selbst eine Ostergeschichte erfinden und einander erzählen. 

Gute Gespräche wünscht

Sr. Maria Raab

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