PG Mainschleife

Zum menschlichen Leben gehört das Leid. Bei keinem Menschen verläuft das ganze Leben glatt. Angst zu versagen breitet sich in den Gedanken und Gefühlen aus.

Mancher steigt aus Kirche und Gesellschaft einfach aus, ohne jeden Protest. Hauptsache ich komme mit meiner Ansicht durch, Hauptsache ich kann mich verwirklichen, ohne Rücksicht auf andere.

Leben lohnt sich für viele nur noch, wenn sie gesund und stark sind, wenn sie ihre Meinung sagen und durchsetzen können.
Mit Schmerzen will ich nicht leben, lieber will ich tot sein als behindert leben müssen, meint mancher.

Leid, Krankheit und Tod möchte der eine oder andere von uns möglichst schnell wegschaffen oder von sich fernhalten.

Leiden hat manchmal auch eine andere Gestalt. Ich kenne Menschen, die verzweifelt um den Glauben an Jesus Christus ringen, die seine Gegenwart erfahren möchten, die einen Weg zu ihm suchen. Statt dessen sieht es aus, als gäbe es Gott in dieser Welt überhaupt nicht. Wir Christen haben auch unseren Anteil daran, dass manchen Menschen diese Erde als Welt der Kriege, der Lüge, des Terrors und der Ellbogen erscheint.

Ist Leid von Gott geschickt, gibt es Gesundheit, Stärke, Freude, Glück erst im Jenseits?

Das Leid erklärt uns Gott nicht. Menschen suchen nach Antworten bei ihm, doch ER schweigt scheinbar.

Allerdings hat uns Gott mit unserem Leid nicht allein gelassen. Jesus von Nazareth hat menschliches Leid bis zum Ende durchgetragen.

Er war alleingelassen, der Freund hat ihn verraten. Er hat schlimmste Folter erduldet. Er hat dann Gott überlassen, seine Zukunft zu bestimmen. Jesus hat die Welt geliebt, weil er wirklich erspürt hat, was die Menschen brauchen, nicht nur gute Worte.

Leidende dürfen das Angebot Jesu aufgreifen: Ich gehe mit dir. Gesunde dürfen das Angebot Jesu aufgreifen: Ich begleite dich.
In der Pflege Kranker und Sterbender erweisen sich Männer und Frauen in ihrem Erbarmen als Menschen. Die besten Gefühle des Menschen sind dann geweckt: Liebe, Mitleiden, Trost, Hilfe, Beistehen. Für gläubige Menschen kommt mit der Pflege kranker Menschen Gott zum Leidenden. Leidvolle Menschen können dann erfahren, dass Gott sich ihnen zuwendet. Weil Gott Christus aus den Toten geholt hat, wird der gläubige Christ auf der Seite des Lebens stehen, wird der Gläubige Leidenden Leben ermöglichen, wird der Gläubige den Schmerz nehmen, aber nicht das Leben. Menschenwürdig pflegen heißt auch Sterbende an das Portal zu begleiten, um sie dort dem menschenfreundlichen Gott zu überlassen. Auch dieses Pflegen auf den Tod hin ist menschenwürdiges, liebevolles Leben ermöglichen.

 

 

Johannes Hofmann, Pfarrer

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