PG Mainschleife

„Allmächtiger, ewiger Gott,

du hast der heiligen Katharina von Siena

das Leiden Christi und die Wunden seiner Kirche

vor Augen gestellt.

Im Dienst an der Kirche

wurde ihre Liebe zu einem lodernden Feuer.

Mache auch uns, die wir zu Christus gehören,

bereit, die Leiden seiner Kirche mitzutragen,

damit einst seine Herrlichkeit an uns offenbar wird.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.“ (Tagesgebet zum Fest der Hl. Katharina von Siena)

Heute begeht die Kirche das Fest der Hl. Katharina von Siena. Bereits im Tagesgebet bittet die Kirche mit Verweis auf das Beispiel der Heiligen, dass die Christen mit Gottes Hilfe die Leiden der Kirche mittragen sollen. Gerade für das Jahr 2020 erscheint mir abseits der Corona-Pandemie dieses Gebet aktueller denn je zu sein. Ja die Kirche leidet und viele Gläubigen leiden an ihr. Beispielhaft dafür steht die Missbrauchskrise, die unzähliges Leid bei den Opfern verursacht hat, und bei vielen Gläubigen Wut und Enttäuschung über ihre Kirche zurückgelassen hat. Eine Verzweiflung über die eigene Kirche macht sich breit, die durch die teilweise hilflosen Versuche auf die Situation der Betroffenen zu reagieren nur noch vermehrt wird. In anderen Bereichen zeigt sich die Kirche in ihrer Lehre als realitätsfern und für viele Teile der Gesellschaft ist sie bereits zu einem nicht mehr beachteten Gesprächspartner geworden. Sie wird von vielen jungen Theolog*innen als schlechter Arbeitgeber angesehen. Den Priesterseminaren und auch die Ausbildungsstätten für die pastoralen Dienste gehen die auszubildenden jungen Menschen aus. Das Leid in und an der Kirche ist groß. Wie kann ich das mittragen? Mitten in diese Situationsbeschreibung hinein fällt mir das Gebet auf, in dem die Kirche ihre eigene Unzulänglichkeit bekennt und sich an das Vorbild der Heiligen wie an einen rettenden Strohhalm klammert. Aber was folgt aus dieser Jahr für Jahr wiederholten – das Tagesgebet ist wahrscheinlich genauso so alt wie der Heiligengedenktag selbst – Situationsbeschreibung und Bitte? Handelt es sich dabei nicht eher um eine leere Phrase? Werden jetzt die notwendigen Veränderungen in der Kirche nicht mutig und in einer ehrlichen sowie offenen Auseinandersetzung der widerstreitenden Positionen angegangen, drohen die Gläubigen unter der Last beim Mittragen des Leids zusammenzubrechen. Nur beten, hoffen und das Erinnern an eine große Heilige reicht nicht!

Hendrik Weingärtner

­