PG Mainschleife

Sie haben sicher schon mal eine Situation erlebt, in der Sie richtig in die Knie gezwungen worden sind, in der Familie, in der Arbeit, in der Nachbarschaft oder durch eine Krankheit.

Aktuell fühlen wir uns alle in die Knie gezwungen. Wir haben dabei keinerlei Ahnung, wie es weitergehen kann. Eigentlich sind alle betroffen, in allen Ländern der Welt.

Wir werden in die Knie gezwungen, ohne dass uns jemand sagen kann, wie und unter welchen Bedingungen wir wieder aufstehen können.

Um das Knie beugen geht es auch heute im Eröffnungsvers der Liturgie aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Philippi.

Vor dem Namen Jesu sollen alle Mächte

im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihre Knie beugen;

denn der Herr erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod,

bis zum Tod am Kreuz.

Deshalb ist Jesus Christus der Herr

in der Herrlichkeit Gottes, des Vaters.                         Phil 2, 10.8.11

Nun gibt es wie bei allen (Welt-) Krisen wieder Propheten, die die derzeitige Situation als Strafe Gottes für unsere Sünden sehen und fordern uns auf zur Umkehr. Dazu gibt es dann mancherlei teilweise fragwürdigen Gebets- und Bußübungen. Auch Kettenbriefe sind schon unterwegs.

Im christlichen Glauben geht es nicht um eine Bußhaltung „in Sack und Asche“. Das Ziel ist positiv „in der Herrlichkeit Gottes, des Vaters“.

Ja, wir sollen, so der Apostel Paulus, den Herrn erkennen, was Jesus für uns getan und gelitten hat. Das ist ja das Thema der Karwoche. Mit Paulus möchte ich Sie einladen, die Ereignisse der Karwoche ebenso anzuschauen wie das Leiden der Menschen in der Coronakrise, vielleicht auch unser eigenes Leiden, „bis zum Tod am Kreuz“.

Dazu lade ich Sie ein, wie in den Exerzitien von Ignatius von Loyola, sich ganz Gott anzuvertrauen und so das Knie zu beugen vor ihm. Legen Sie ihm Ihre Entscheidungen und Anliegen in die Hände und lassen sich dann von IHM leiten.In diesem tiefen Gottvertrauen können wir uns auf Ostern vorbereiten, auf die Auferstehung Jesu und die Auswirkungen auf unser Leben. 

Josef Gerspitzer, Pastoraler Mitarbeiter

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