PG Mainschleife

Unsere Kriege 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges

Heute vor 75 Jahren war der Zweite Weltkrieg zu Ende. Sicher haben Sie im Fernsehen in den vergangenen Tagen schon das eine oder andere zu diesem Jahrestag gehört.

Die große Befreiung wurde wohl gar nicht von allen als Befreiung wahrgenommen. Schließlich hatten sich viele nach sechs Jahren Krieg mit diesem Zustand ein Stück weit arrangiert, ihren persönlichen Vorteil gesucht und gefunden und waren auch von Herzen von der nationalen Idee überzeugt.

Dass am Ende bei einem Krieg niemand gewinnen kann, auch wenn er militärisch den Sieg errungen oder - ins Heute übersetzt - die heftige Auseinandersetzung vielleicht mit unfairen Mitteln oder gar Gewalt in der Familie oder in der Arbeit gewonnen hat, muss man auch erst mal annehmen.

Es ist ein urmenschliches und berechtigtes Bedürfnis, für seine Sache zu kämpfen. Sonst hätten wir viele inzwischen selbstverständliche Errungenschaften bis heute noch nicht. Es ist legitim, sich um Vorteile zu bemühen, auch mal der Erste sein zu wollen. Auch Friedensaktivisten nennen sich manchmal Friedenskämpfer.

Menschen mit bester Absicht kämpfen für eine gute Sache und werden manchmal mehr und mehr rigoros gegenüber Menschen mit anderer Meinung. Es kommt vor, dass ich in meinem persönlichen Umfeld Niederlagen erlebe, obwohl meine Idee eigentlich super toll ist und eine echte Möglichkeit wäre. Nach der Niederlage überlegt sich der Betroffene, wie er vielleicht auf einem anderen Weg seine Position vielleicht doch durchsetzen kann oder sich beim anderen irgendwie rächen kann.

So entstehen kleine Kriege, bisweilen richtige Partisanenkriege aus dem Hinterhalt.

Das ist und bleibt 75 Jahre nach Kriegsende immer noch tägliche Wirklichkeit, auch wenn wir GottseiDank in Friedenszeiten leben dürfen. 

Bestimmte Umstände wie der aktuelle weltweite Krieg gegen Corona zeigt bei aller positiv gewachsenen Solidarität und Hilfsbereitschaft - jetzt nach Beginn der Lockerungen - wieder deutlich der Kampf der Interessengruppen um ihre Anliegen. Da geht es nicht immer um die Sache, nicht immer um Einigkeit und die Gesundheit der Menschen. Wer darf jetzt die Regeln bestimmen?

Für uns Christen ist es eigentlich einfach. Jesus hat seine Meinung und seine Einstellungen deutlich formuliert und sicher nicht immer mit sanfter Stimme gesprochen.

Und doch war er bereit, dazu zu lernen, z.B. bei der Samariterin am Brunnen.

Denn nur im Aufeinander Hören und im Dialog können Probleme und schwierige Fragen nachhaltig gelöst werden. Die christliche Nächstenliebe ist deshalb keine billige harmlose Zuwendung zum anderen, sondern im Sinne Jesu eine Beziehung und ein Dialog auf Augenhöhe. Mit Blick auf das Leben Jesu und seine Auseinandersetzungen brauchen wir die Parole „Nie wieder Krieg“ aus der Friedensbewegung der 1980 er Jahre nicht plakatieren, weil wir diese mit Gottes Hilfe weitgehend leben, so gut wir können.

 

Aus dem Tagesevangelium von heute: Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Joh 14,6

Josef Gerspitzer,. Pastoraler Mitarbeiter

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