PG Mainschleife

„Denn wovon das Herz überfließt, davon spricht sein Mund“ (Lk 6,45)

Die Osterzeit ist bereits weit fortgeschritten und immer noch hat das Corona-Virus unsere Kirche und unsere Gesellschaft fest im Griff. So fest, dass einige fürchten, die Pandemie schränke öffentliches und kirchliches Leben übermäßig stark ein, mache den gelebten Glauben und dessen Verkündigung unmöglich und verweise die Feier des Glaubens in der Liturgie aus der Öffentlichkeit. Zuletzt hat sich Gerhard Ludwig Kardinal Müller dementsprechend geäußert. So schwer die Zeit gerade für viele Gläubige ist, so kreativ sind die Versuche der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter in den Pfarrgemeinden.

Gerade weil die Botschaft von Ostern, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, ihr Herz dermaßen erfüllt, wollen und können sie allen Einschränkungen zum Trotz nicht schweigen. Unter anderem wurden Livestreams organisiert, Impulse vorbereitet, Einkaufsdienste organisiert sowie Osterlicht to go angeboten. Unser Glaube erweist sich, wie es das Beispiel vieler Gemeinden zeigt, als ein Glaube, der sich gerade auch in der Krise bewährt und als einer, der den Gläubigen in den vor ihnen liegenden Herausforderungen Hilfe und Unterstützung anbietet. Das Osterfest, der Sieg des Lebens über den Tod, die Zusage Jesu, bei uns bis zum Ende der Welt zu bleiben, sollte das Herz aller Christen erfüllen und sie ermutigen ihren Glauben zu Leben. Den Glauben leben – das erschöpft sich nicht in der Mitfeier der Eucharistie am Sonntag. Den Glauben leben – das bedeutet ihn mit seinen Mitmenschen in Wort und Tat zu teilen, wo es Not tut da zu sein, anzupacken, Leid mitzutragen, Trost spenden, Rat anbieten uvm. Ich wünsche unserer Kirche, dass ihre Glieder nicht vor Enttäuschung über Gottesdienstverbote und Schutzmaßnahmen den Kopf in den Sand stecken, sondern die Kraft des Glaubens für diese Zeit neu entdecken. Eine Spur von Gott erahnen wir immer da, wo Menschen sich verschenken, die Liebe bedenken, den Hass überwinden oder gemeinsam nach neuen Wegen in der Krise suchen.

„Wo Menschen sich vergessen, die Wege verlassen, und neu beginnen, ganz neu, da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns, da berühren sich Himmel und Erde, dass Frieden werde unter uns.

Wo Menschen sich verschenken, die Liebe bedenken, und neu beginnen, ganz neu, da berühren sich Himmel und Erde ...

Wo Mensch sich verbünden, den Hass überwinden, und neu beginnen, ganz neu, da berühren sich Himmel und Erde ...“ (GL 8 41)

Hendrik Weingärtner

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