PG Mainschleife
Pfarrei St. Bartholomäus Volkach – Der Pfarrgemeinderat der Pfarrei St. Bartholomäus Volkach hat in seinen Sitzungen am 1. September und am 17. Oktober 2016 folgende Stellungnahme zum geplanten Pastoralprozess „Pastoral der Zukunft“ in der Diözese Würzburg erarbeitet.

I. Transparenz, Öffentlichkeit und Partizipation

Alle Pläne, die von der Diözesanleitung bezüglich des Pastoralprozesses bisher erarbeitet worden sind und zukünftig erarbeitet werden, sollten öffentlich bekannt gemacht und für alle Gläubigen einsehbar sowie nachvollziehbar sein. Nur so können die Pläne breit in der Öffentlichkeit diskutiert werden und eine aktive Beteiligung der Gläubigen an diesem Prozess ermöglicht. Deren Mitwirken am Pastoralprozess ist eine erforderliche Bereicherung. Jeder, der sich einbringen möchte, sollte dazu die Chance bekommen. Darüber hinaus kann durch eine konsequente Informationspolitik die Akzeptanz des neuen Pastoralplans gesteigert werden. Dafür ist genügend Zeit einzuplanen. Auch die Strukturen, die Zusammensetzung und die Entscheidungen der Gremien, die sich auf der Diözesanebene für den Pastoralprozess verantwortlich zeigen, sollen zeitnah veröffentlicht werden. Es ist darauf zu achten, dass in diesem Prozess größtmögliche Transparenz herrscht.

II. Motivation

Das Motiv bzw. die Motive, die für den Anstoß des Pastoralprozesses ausschlaggebend sind, sind von Beginn an klar zu definieren. Alle pastoralen Erneuerungen müssen den Gläubigen dienen, indem sie auch auf ihre Lebenswirklichkeiten, die im Verlauf des Prozesses neu zu entdecken sind, eingehen. Die pastoralen Überlegungen dürfen nicht von einer prognostizierten (zukünftigen) Anzahl von Priestern bzw. Pfarrern in der Diözese Würzburg abhängig gemacht werden.

III. Überlegungen zum theologischen Leitwort

Es wäre für alle Beteiligten am Prozess hilfreich, wenn die Begriffe, die im theologischen Leitwort aufgegriffen werden, definiert und mit Inhalt gefüllt werden. Die Rede von der „Gemeinschaft der Gemeinschaften“ ist erklärungsbedürftig, da sich nur die Wenigsten etwas darunter vorstellen können. Die Bezeichnung der neuen pastoralen Räume im Bistum Aachen als „Gemeinschaft der Gemeinden (GdG), die dort in einem pastoralen Reform- und Strukturprozess von 2000-2010 gebildet worden sind, weist eine auffällige Nähe zur Bezeichnung „Gemeinschaft der Gemeinschaften“ auf. Dennoch bleibt unklar, was genau in Bezug auf das Bistum Würzburg unter „Gemeinschaft der Gemeinschaften“ zu verstehen ist.

Die im theologischen Leitwort angesprochenen Orte, Gemeinden und Gemeinschaften sehen in den einzelnen Regionen und Dekanaten sehr unterschiedlich aus. Wenn eine „Gemeinschaft der Gemeinschaften“ gebildet werden soll, dann kann dies nur dann erfolgreich funktionieren, wenn dieses neue „pastorales Feld“ organisatorisch äußerst flexibel verfasst ist. Unserer Meinung nach ist daher ein diözesanes pastorales Konzept zu erarbeiten, dass gewisse „Grundkonstanten“ festlegt, aber sich flexibel an die unterschiedlichsten Situationen „vor Ort“ anpassen lässt. Daraus ergibt sich die Konsequenz, die Verantwortlichen vor Ort als Experten zu hören. Die Anpassung an die Situation vor Ort kann dann durch einen eigenen (subsidiären) Prozess vor Ort erfolgen, indem jede dieser „Gemeinschaften“ für ihren Bereich/ihren pastoralen Raum mit Unterstützung der Diözese ein eigenes pastorales Konzept erarbeitet

IV. Vor Ort

Die Verantwortlichen, die vor Ort kirchliches Leben gestalten, sollten sich zunächst innerhalb der jetzigen Pfarreiengemeinschaften auf die Suche nach Orten, Räumen und Gemeinschaften kirchlichen Lebens machen. In einem nächsten Schritt legen sie gemäß den diözesanen „Grundkonstanten“ Aufgaben und Ziele sowie Bedürfnisse in personeller sowie in infrastruktureller Hinsicht einer zukünftigen Pastoral für ihren pastoralen Raum fest. Eine „Grundversorgung“ vor Ort ist dabei sicherzustellen, während „überlebte“ Angebote, Strukturen etc. abzuschaffen sind. Hierbei ist stets die Unterstützung von diözesaner Seite erforderlich.

V. Wunsch nach Einführung eines Phasenmodells zur pastoralen Entwicklung

Der Pfarrgemeinderat Volkach spricht sich für die Einführung eines Phasenmodells zur pastoralen Entwicklung aus. Wenn die die diözesanen „Grundkonstanten“ festgelegt worden sind, soll der weitere pastorale Reformprozess in folgenden vier Phasen ablaufen. Nur so kann der Pastoralprozess unserer Meinung nach ein geistlicher Prozess werden, der die Gläubigen vor Ort nicht aus- sondern einschließt.

1. „Entdeckungsphase“

Diese Phase findet vor Ort in den bisherigen pastoralen Räumen (Pfarreien bzw. Pfarreiengemeinschaften) statt. In dieser Phase sind die Bedürfnisse für eine zukünftige Pastoral vor Ort zu klären, pastorale Aufgaben, Ziele etc. zu definieren. Aus den Ergebnissen wird ein eigenes pastorales Konzept entwickelt und auch umgesetzt.

2. „Findungsphase“

Es schließt sich eine Findungsphase an, in der sich die neuen pastoralen Räume zusammenfinden. Mehrere bisherige pastorale Räume schließen sich zu einem neuen Raum zusammen. Diese Findungsphase findet vor Ort statt. Die Fakten werden von Diözesanleitung mit den Verantwortlichen vor Ort gestaltet. Die bisherigen örtlichen pastoralen Konzepte werden zu einem neuen Konzept zusammengeführt. Das Konzept wird dabei stets weiterentwickelt und auf neue Bedürfnisse hin angepasst.

3. „Entwicklungsphase“

In dieser dritten Phase werden die neuen pastoralen Räume weiterentwickelt. Jetzt kommt es zur Umsetzung des weiterentwickelten und angepassten pastoralen Konzepts.

4. „Reflexionsphase“

Eine Reflexionsphase schließt sich an.

Bezüglich des Phasenmodells kann die Diözesanleitung auf die Erfahrungen des Erzbistums Hamburg zurückgreifen.

VI. Überlegungen zu den „Gemeinschaften der Gemeinschaften“

Die neu zu bildenden pastoralen Räume bestehen nicht nur aus fusionierten Pfarreien. Auch eine Zusammenarbeit benachbarter, rechtlich eigenständiger Pfarreien soll möglich bleiben. Bei der konkreten Entscheidung für eines dieser Modelle vor Ort ist die jeweilig vorherrschende Situation zu berücksichtigen. Die Struktur muss der jeweiligen Situation vor Ort dienen. Die Strukturen der Räte bedürfen einer Anpassung, damit beide Modelle nebeneinander existieren können. In den neuen pastoralen Räumen muss eine koordinierende Kooperation in der Pastoral angezielt werden. Wir sprechen uns entschieden dagegen aus, dass Kirchenstiftungen durch Förderstiftungen ersetzt werden, das schafft nur erheblichen Aufwand und neue Probleme.

VII. Leitung in diesen „Gemeinschaften der Gemeinschaften“

Die Partizipation der Gläubigen ist ein hohes Gut. Die aus der Taufe resultierende Sendung der Gläubigen muss auch in Fragen kirchlicher Leitung Berücksichtigung finden. Daher sind die Möglichkeiten des c. 517 CIC/1983 sind im vollen Umfang auszuschöpfen.

VIII. Begleitung durch eine umfassende Verwaltungsreform

Die Einführung eines neuen pastoralen Konzeptes muss durch eine umfassende Verwaltungsreform abgerundet werden, denn nur so kann eine „pastorale Erneuerung“ nachhaltig gelingen. Die verantwortlichen Seelsorger vor Ort sind deshalb in ihren Verwaltungsaufgaben zu entlasten. Dies kann durch die Einstellung professioneller hauptamtlicher Verwaltungsmitarbeiter für jeden pastoralen Raum geschehen oder durch die Einführung einer mittleren Verwaltungsebene (vgl. die Verwaltungszentren im Bistum Aachen).

IX. Offene Fragen

In unseren Beratungen haben sich die im Folgenden aufgelisteten Fragen aufgetan. Wir bitten daher um eine Beantwortung seitens der Diözesanleitung.

1. Transparenz, Öffentlichkeit und Partizipation am Reform- und Strukturprozess

Wie sehen die Pläne der Diözesanleitung aus, um Transparenz und Öffentlichkeit im Verlauf des Prozesses für die Gläubigen der Diözese zu gewährleisten? Wie können die Gläubigen vor Ort an diesem Prozess partizipieren? Hat die Diözesanleitung auch die Abhaltung einer Diözesansynode zu diesem Thema in Erwägung gezogen? Der Pfarrgemeinderat Volkach weiß um die Schwierigkeiten, die eine anstehende bischöfliche Vakanz für den Prozess bedeutet. Es ist uns auch bewusst, dass die Abhaltung einer Diözesansynode erst unter einem neuen Bischof in Frage kommen kann. Wir halten aber grundsätzlich eine Diözesansynode für den besten Weg für den anstehenden Pastoralprozess und sprechen uns daher nachhaltig für die Abhaltung einer Diözesansynode aus.

2. Zeitplan

Wann veröffentlicht die Diözesanleitung einen detaillierteren Zeitplan, der den Ablauf und die Durchführung des Pastoralprozesses regelt?

3. Erfahrungen aus anderen Diözesen

Inwiefern gehen Erfahrungen aus anderen deutschen Diözesen in die Überlegungen der Diözesanleitung mit ein? Welche Pastoralprozesse aus den anderen Diözesen werden berücksichtigt? Nach welchen Kriterien geht eine derartige Berücksichtigung vor?

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